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Argumente gegen Präimplantationsdiagnostik

Ethische Aspekte

Die Frage nach dem zeitlichen Beginn zu schützenden Lebens liegt vielen Diskussionen um die ethische Vertretbarkeit der Präimplantationsdiagnostik zugrunde. Kritiker des Verfahrens berufen sich darauf, dass das menschliche Leben bereits mit der Befruchtung der Eizelle durch den Samen beginnt.

Weiter wird argumentiert, dass Embryonen aus biologischer Sicht der Spezies homo sapiens angehören, über Würde verfügen und ihnen somit das gleiche Recht wie geborenen Menschen zusteht.

Mit der Durchführung der PID greift der Mensch mutwillig in die Natur ein und wird zum Richter über Leben und Tod. Aus christlicher Sichtweise wird die göttliche Schöpfung manipuliert.

Gegner sehen in dieser Art der Diagnostik eine Grenzüberschreitung durch die moderne Medizin. Die PID ist ein Instrument der Selektion. Dass genetische Selektionen gefährliche Ausmaße annehmen können, hat der Nationalsozialismus auf erschütternde Weise verdeutlicht. Dem Verfahren wird also vorgeworfen, zwischen wertvollem und minderwertigem Leben zu unterscheiden.

Derzeit nicht möglich (außer in Bezug auf das Geschlecht), von Kritikern jedoch befürchtet, ist das Züchten von Designerbabys nach Wunsch. Was, wenn zukünftig auch nach weiteren Merkmalen wie Augenfarbe, Körperbau oder Intelligenz selektiert werden kann? Dieses Horrorszenario gilt es unbedingt zu vermeiden.

Aus der Sicht vieler behinderter und schwer kranker Menschen stellt die gesellschaftliche Akzeptanz der PID eine Diskriminierung dar. Es wird befürchtet, dass Behinderte künftig als minderwertige Individuen angesehen und ausgegrenzt werden.

In der Zeugung eines genetisch kompatiblen Embryos zur Rettung eines lebensbedrohlich erkrankten Geschwisterkindes sehen PID-Gegner eine Instrumentalisierung des Kindes. Der Embryo wird in erster Linie geschaffen, um dem kranken Kind als Spender zu dienen.
Eine potentielle Gefahr besteht darin, dass sich durch die Zulassung des Verfahrens der Druck auf Eltern erhöht, die Untersuchung zu nutzen, um die Gesellschaft und das Gesundheitssystem nicht zu belasten.

Risiken bleiben bestehen

Ein weiteres Argument gegen PID ist, dass sie keineswegs eine Garantie mit sich bringt. Viele genetische Krankheiten lassen sich durch diese Technik nicht erfassen oder entstehen vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt, so dass ohnehin auch eine PND durchgeführt werden muss. Des Weiteren entsteht während der Schwangerschaft eine enge Bindung, die dazu führen kann, dass die Mutter das Kind trotz der Behinderung annimmt und zur Welt bringt. Diese Möglichkeit wird durch die PID ausgeschlossen.
Die Präimplantationsdiagnostik erfordert, dass mehrere Embryonen erzeugt werden. Kritiker verweisen auf die Gefahr der Zerstörung überzähliger gesunder Embryonen.
Die hormonelle Behandlung, der sich die Frau im Vorfeld der künstlichen Befruchtung unterziehen muss, stellt eine Belastung dar.
Zudem kommt der In vitro-Fertilisation eine neue Bedeutung zu. Es geht nicht mehr darum, eine Schwangerschaft zu ermöglichen, sondern Embryonen nach bestimmten Kriterien auszusortieren, was den ursprünglichen Grundlagen für die Zulassung der Zeugung im Reagenzglas widerspricht.

Die Präimplantationsdiagnostik ist ein umstrittenes Thema, das einen sensiblen Umgang unter Berücksichtigung vielschichtiger Faktoren erfordert.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ruth Priese
    12555 Berlin
    Hämmerlingstr. 95
    Te. 030-6574230
    http://www.ruthpriese.de Berlin, 21.April 2011

    An die Abgeordneten des
    Deutschen Bundestages
    Platz der Republik 1
    11011 Berlin

    Offener Brief zur anstehende Entscheidung zur Präimplantationsdiagnostik

    Sehr geehrte Damen und Herren MandatsträgerInnen des Deutschen Volkes im Deutschen Bundestag,

    für die Art und Weise sowie die Atmosphäre Ihrer Debatte zur o.g. Problematik am Donnerstag, den 14.4.2011 danke ich Ihnen hiermit von Herzen. Damit haben Sie dem Gewicht der anstehenden Entscheidung m. E. in vorbildlicher Weise Rechnung getragen.

    Bitte erlauben Sie mir dennoch, Ihnen einige Aspekte darzulegen, die mir an diesem Tag nicht genügend beleuchtet gewesen zu sein scheinen:

    1. ) fast durchgehend wurde als Begründung für eine begrenzte Zulassung der PID das Leid von Paaren angeführt, die nach schwersten Erfahrungen den Wunsch nach einem gesunden Kind haben. Solche Situationen wurden von Ihnen in unterschiedlichen Formulierungen beschrieben bis hin zu der von Herrn Dr. Steinmeier, es handele sich bei diesen Paaren um „äußerste Seelennot“.
    Ohne den Respekt vor dem Leid dieser Paare auf irgendeine Weise zu mindern, frage ich doch: ist ein solcher Ausdruck für den Zustand eines immens starken Wunsches angesichts anderer Leiden —- wohl zutreffend? Ich hätte mir mehr Nüchternheit in der Schilderung dieser realen Situationen einiger Familien im Rahmen des Koordinatensystems von viel anderer Not gewünscht (z. B. der Not vieler tatsächlich alkohol- und nikotingeschädigter Kinder in unserer Gesellschaft): Es sind Situationen, in denen sich Paare anerkanntermaßen in einer schwer zu ertragenden Lage befinden. Aber der Wunsch nach einem gesunden Kind ist und bleibt ein Wunsch. Einen solchen als „äußerste Seelennot“ zu bezeichnen, fördert gesellschaftlich eine unrealistische Haltung, aus der heraus immer mehr Menschen immer öfter meinen, sie hätten ein Recht auf die Erfüllung aller ihrer Wünsche. Das scheint mir eine fatale gesellschaftliche Entwicklung.
    Wenn ein Paar genetisch so belastet ist, dass es schon mehrere Tot- oder Fehlgeburten erleiden musste oder ein bzw. mehrere behinderte Kinder hat, dann war es bisher die naheliegendste Möglichkeit, zu diesem schweren „Schicksal“ zu stehen und ein Kind zu adoptieren (ein solches schönes Beispiel habe ich persönlich vor Augen). In für mich überraschender Weise hat von den vielen RednerInnen dieser Debatte am 14.4. allein Herr Dr. Seifert diese Möglichkeit ausgesprochen. (Außerdem: in vergangenen Epochen der Menschheitsgeschichte hatten bekanntlich nicht immer alle Mitglieder einer Gesellschaft das Recht, Kinder in die Welt zu setzen—)
    So frage ich mich, welche nicht ausgesprochenen Gründe gab es möglicherweise, die viele von Ihnen bewogen, das Schicksal dieser relativ kleinen Gruppe von Menschen so vehement in den Vordergrund zu stellen und deren Wünsche nicht zu hinterfragen?

    2.) In keinem einzigen Redebeitrag fand ich eine mutige Auseinandersetzung mit den Interessen der WissenschaftlerInnen und ReproduktionsmedizinerInnen an der Legitimierung dieses Verfahrens (Schließlich war es ein Arzt, nicht ein betroffenes Paar – , dessen Selbstanklage im Juli 2010 zu dem bekannten Urteil des Bundesgerichtshofes geführt hatte.). Allein Dr. Krings sprach am Ende seiner Rede seine Befürchtung im Blick auf eine Zulassung der PID aus, „dass die Begehrlichkeiten aus der wissenschaftlichen Forschung, ja selbst aus der Wirtschaft stark anwachsen werden“.
    Zu der von Dr. Petra Sitte so formulierten Frage: „Hat der Embryo im Reagenzglas einen höheren Lebensschutz als nach der Einnistung?“ hatte zuvor Dr. Krings bereits eindeutig Stellung bezogen: Natürlich ist der Embryo in der Petrischale den Begehrlichkeiten der ForscherInnen und des Marktes viel schutzloser ausgeliefert als der im Mutterleib eingenistete. Das Schicksal des Letzteren ist ja wenigstens „nur“ von der mütterlichen Entscheidung abhängig.
    Wir befinden uns bekanntlich nicht erst durch Fukushima im Prozess der wachsenden Einsicht, dass eben gerade nicht alles, was wir wissen und zu wissen begehren, auch angewendet werden kann, wenn der Erhalt der Erde für die kommenden Generationen oberste Richtschnur gemeinschaftlichen Handelns bleiben oder werden soll. Der ethisch nicht eingebundene Wissensdurst und E h r g e i z „naturwissenschaftlicher“ ForscherInnen ist m. E. ebenso eine tragische Folge unserer abendländischen Trennung von „Mater“- ie und „Geist“ wie der immer noch weitgehend legitim scheinende Profithunger der Wirtschaft. Beides gehört m. E. dringend auf den Prüfstand. Vielleicht ist ja die Ihnen als Parlament mehr oder weniger aufgezwungene PID-Debatte eine gute Gelegenheit dazu?
    Wir befinden uns m. E. in einer Neubewertung eines bisher geltenden Konsenses, Paradigmas (?), dem „Fortschritt“ dienen zu müssen. Aber es könnte ja neben dem nun diskutierten Atomausstieg auch andere gesellschaftlich notwendige Rückwärtsbewegungen geben. Mich hat z. B. die Nachricht erfreut, dass – laut Frank Patalong in Spiegel – Online – in Australien eine bis 2005 erlaubte Geschlechtsauswahl durch PID durch den Gesetzgeber wieder rückgängig gemacht wurde. Wir müssen offenbar manchmal auch gesellschaftliche Irrwege gehen, um zu wirklich nachhaltigen gesellschaftlichen Entscheidungen zu kommen.
    Es geht m. E. nicht um eine „höherwertige“ oder „minderwertige“ ethische Entscheidung, also um kein Wetteifern in besserer oder schlechterer Moral, sondern allein um das Ringen darum, was Verantwortung für unsere Kinder und Enkelkinder bedeutet

    3) Auch die Fragen nach den Ursachen von (zunehmender?) menschlicher Unfruchtbarkeit, von Gendefekten sowie von vermehrten Tot-, Fehl- und Frühgeburten wurden in der Debatte nicht erörtert. Dabei sind vielfältige Wirkungen hormonaktiver Substanzen in Umwelt und Industrieprodukten vermutlich bestens bekannt. Ob allerdings mögliche psychosoziale Ursachen für diese Entwicklungen genügend gekannt, bedacht und gegenüber den genannten Begehrlichkeiten zu Bedenken gegeben werden, wage ich zu bezweifeln. Frauen stehen heute bei uns auch unter dem Druck einer weitgehend einseitig berufs-leistungsbezogenen Werteordnung. Wer ermöglicht den Paaren die alte Muße, geduldig auf eine Schwangerschaft zu warten?

    Warum muss die Gesetzgebung in Sachen PID unbedingt der bestehenden Rechtslage angepasst werden, wie es die Frau Justizministerin in der Debatte so eindringlich forderte? Gäbe es nicht auch die andere Möglichkeit, nämlich die, dass die bisherige Gesetzgebung – vor allem in Bezug auf die Zulassung von Spätabtreibungen – neu überdacht wird?

    Mit erneutem Dank für Ihr Engagement und den besten Wünschen
    Ruth Priese

    Antworten

    • Wow, dass nenne ich mal aktiv in der Politik mitwirken.
      Ich bin auch gegen eine solche Selektion, da sowas einfach nicht gut gehen kann, was Diskriminierung von Behinderten betrifft. Außerdem, was passiert, wenn es irgendwann legal wird, sich aussuchen zu können, was für Eigenschaften ein Kind haben soll? Wie es aussehen soll? Die Gefahr, dass irgendwann sog. Designerbabys entstehen, wird durch PID einfach zu hoch. Auch dadurch würde wieder Diskriminierung entstehen… und jedes Kind lernt heute ab der 1. Klasse, was für Schäden Diskriminierung anrichten kann.
      Also, liebe Politiker, Ärzte, et cetera: lasst die Finger davon!
      LG

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  2. Ich bin absolut gegen eine solche selektion, da ich der Meinung bin dass jedes Leben lebenswert ist und Behinderte Menschen keine Menschen zweiter Klasse sind.
    Gerade wir in Deutschland sollten aufgrund unserer schlimmen Geschichte (Nazi Zeit)
    dagegen sein.

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  3. PID ist Selektion, damit nicht zu rechtfertigen und somit rundheraus abzulehnen.
    Ich dachte diese Zeiten seien vorbei.

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  4. Ich finde es sehr erstaunlich, was hier teilweise für Kommentare abgegeben werden. Mich würde wärmend interessieren, ob diejenigen, die sich so absolut gegen die PID aussprechen, betroffen sind?
    Die Theorie, die intellektuellen- und politisch philosophischen Kommentare, Be- und Verurteilungen sind „leicht“ von sich zu geben, wenn man selbst nicht persönlich betroffen ist.
    Ich teile absolut die Meinung, dass man die PID gesetzlich „im Rahmen“ halten- und kontrollieren muss. Die Selektion von „Designerbabys“ (…) darf natürlich NICHT gestattet sein! Die Anwendung der PID muss und darf sich lediglich auf eine Ausschliessung genetischer Krankheiten beschränken. Da macht sie Sinn. Da kann sie Leben retten. Schwere Krankheiten ausschliessen. Leiden und/oder Schmerzen vermeiden. Sowohl für das betroffene Kind, als auch für seine Eltern.
    Aus meiner Sicht geht es keinsterweise darum , Behinderte zu diskrimminieren! Niemals! Ich bin mit einem Sehbehinderten Mann verheiratet, den ich ABSOLUT NICHT als „2.Klasse-Mensch“ ansehe!…Es geht lediglich darum, schwere Behinderungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen, in Zukunft eventuell vermeiden zu können. Ich persönlich finde es toll, dass man heutzutage solche Möglichkeiten hat….Ich persönlich DANKE der Medizin und Vorschung dafür. Dank dieses Verfahrens haben mein Mann und ich die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen, dass NICHT die Genkrankheit meines Mannes haben wird. Ohne dieses Verfahren wäre das Risiko bei 50 Prozent…

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    • Wenn sie ihren Mann nicht als 2. Klasse Menscheb ansehen und es für sie keinen Unterschied macht, dann verstehe ich nicht warum sie einem Embryo das Leben verwehren wollen nur damit es nicht blind ist. Man kann diesen Defekt nicht heilen, man kann nur Embryonen die ihn haben töten bzw. Einfrieren

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  5. Nach 6 Fehlgeburten und viel Leid ist PID unserer letzte Möglichkeit ein gesundes Kind zu bekommen- Wir sind nachgewiesen statistisch gesund. Drei FG wurden untersucht und hatten genetische Defekte, eins war ein Windei.
    Was raten Sie mir als Betroffene? PID ist für uns der letzte Strohhalm!

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  6. Pingback: Abstimmung Präimplantationsdiagnostik | KSWE Abteilung G1H

  7. Um hier einmal James Watson zu Zitieren: „Wenn wir bessere Menschen herstellen könnten durch Hinzufügen von Genen, warum sollten wir das nicht tun?“

    Es ist zwar durchaus Fragwürdig wenn man versucht das Geschlecht oder andere Eigenschaften seines Kindes zu verändern, wenn nun jedoch eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass es zu einer Fehlgeburt oder einer dauerhaften, schweren Behinderung kommt die aber durch ein PID-Verfahren verhindert werden kann, wäre es dann nicht schlichtweg Fahrlässig dem Kind diese Probleme zuzumuten?

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